Schrift

Das geistliche Wort

Frieden – ein hohes Gut

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, mir machen die täglichen Nachrichten manchmal Angst.
Nur zwei Autostunden von mir entfernt, will ein junger Mann Juden in ihrer Synagoge beim Gebet erschießen. Er hat sich ein einseitiges Weltbild einreden lassen, irgendwo Waffen be-sorgt und sich im Internet gut vorbereitet. Einige meiner Amts-kollegen sind mit ihrem geistlichen Oberhaupt nicht mehr zu-frieden. Sie schreiben eine Petition und haben Erfolg. Namhaf-te Politiker bekommen unverschämte Morddrohungen. Hallo? In unserem Land darf jeder seine persönliche Meinung haben. Niemand muss eine Partei wählen, deren Programm er nicht unterschreiben kann. Seinen Frust mit einer Morddrohung raus lassen, geht eindeutig zu weit.
Wo, frage ich mich, sind wir nur gelandet? Haben wir verlernt miteinander zu reden? Können wir nicht mehr zuhören, den anderen stehen lassen, uns einordnen?

Mir fällt die Jahreslosung aus dem Psalm 34,15 ein: SUCHE FRIEDEN UND JAGE IHM NACH! Die zwei Verben springen mich an. Hat sich der Frieden versteckt, dass wir ihn suchen müssen? Ist der Frieden flüchtig geworden, dass wir ihm nach-jagen müssen? Der Psalmbeter hat recht: Frieden ist ein hohes Gut. Von alleine kommt er nicht und bleibt er nicht. Frieden erfordert Einsatz, unser Engagement.
Aus Gedanken werden Worte. Und aus Worten werden Taten. Jeder von uns ist gefragt, in seinem privaten Umfeld zu wider-sprechen, wenn antisemitische oder menschenverachtende Thesen vertreten werden.

Wollen Sie sich gemeinsam mit mir und Gottes Hilfe für den Frieden einsetzen? Ab Morgen bis zum Buß- und Bettag bege-hen wir die ökumenische Friedensdekade. In Plauen treffen wir uns jeden Abend 18 Uhr in der Lutherkirche. Ich weiß, Gebet ist nicht alles, aber mit Gebet fängt alles an. Wir brauchen Gottes Hilfe. Sehen wir uns?

Es grüßt Sie herzlich, Ihr Pfarrer Hartmut Stief