Schrift

Das geistliche Wort


„Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt“

Ich bin verunsichert, wenn ich mich im Dunklen aufhalten und bewegen muss. Meine Augen nehmen nur noch Schemen war und viele der Geräusche, die in meine Ohren dringen, lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Das macht Angst. Ich will zurück ins Licht.

In manchen Nächten fallen dunkle Gedanken über mich her. Ich fühle mich überfordert, einsam, krank. Oder ich sehe schwarz für meine Zukunft. Manchmal tröste ich mich dann damit, dass ich auf den neuen Tag hoffe. Denn weiß, wie befreiend es ist, wenn endlich das Morgenlicht anbricht und ich wieder an mein Tagwerk und in den Kontakt mit anderen Menschen treten kann.

Das Bibelwort zum Epiphaniastag (das ist der 6. Januar) lautet: „Die Finsternis vergeht und das wahre Licht scheint jetzt“ (1. Johannes 2,8b). Wenn hier die Rede davon ist, dass die Finsternis „vergeht“, dann heißt es zunächst: Noch ist es dunkel, noch gibt es Finsternis. Das wird nicht verleugnet. Ich fühle mich ernst genommen, weil meine persönliches Dunkel Raum in der Bibel hat - auch das Dunkel, die sich in den täglichen Nachrichten von Naturkatastrophen, Krieg, Unrecht, Elend und Terror äußert.

Aber das Bibelwort vom „wahren Licht“ ermutigt mich, das Dunkle in seiner Begrenzung zu sehen. Die Finsternis ist endlich. Sie vergeht. Aber das „wahre Licht“ – es ist Gott selber – leuchtet für immer. So werde ich durch das Bibelwort zum Vertrauen eingeladen, dass Gott diese Welt aus ihrer Finsternis erlösen wird. Gott wischt die Finsternis nicht weg, aber er ist mir in ihr nahe. Und er hilft mir, den Blick auf das Licht zu werfen und neue Lebensperspektiven zu entdecken.

Im Anschluss an unserem Vers im 2. Kapitel des 1. Johannesbriefes wird ausgeführt, das Gottes Licht in der Liebe zum anderen leuchtet. Es heißt da: Wer seinen Bruder, seine Schwester liebt, der bleibt im Licht. In der Liebe zum andere kommt also schon etwas von Gottes Licht in die Dunkelheit der Welt. Für solche Lichterfahrungen danke ich Gott, denn sie dämpfen meine Lebensangst und schenken mir Sicherheit. Und ich nehme mir vor, selber vom wahren Licht der Liebe weiterzugeben, das mich beschienen hat.

Pfarrer Hans-Jörg Rummel, Ev.-Luth. St.-Johannis-Kirchgemeinde, Plauen