Schrift

Das geistliche Wort

Das Wandern war nicht nur des Müllers Lust, sondern bereitet auch heute noch vielen Menschen Freude. Ich begegne einigen im Syratal, rund um die Elstertalbrücke oder im Oberen Vogtland. Manche vergleichen das ganze Leben mit einer Pilgerreise: Der Weg ist das Ziel. So sagen es mir auch diejenigen, die sich Jahr für Jahr abschnittsweise auf dem Jakobsweg begeben. Sie folgen der gelb strahlenden Muschel, die stets die Richtung nach Santiago de Compostella weist.

Eine Pilgerin, die es nach mehrwöchiger Wanderung durch Südfrankreich und Nordspanien dann bis nach Santiago de Compostella geschafft hatte, erzählte mir ernüchtert von dem Trubel auf dem Vorplatz der prächtigen Kathedrale, in der sich der Sarg vom Apostel Jakobus befindet. Der begegnungsreiche Weg erschien ihr im Rückblick wertvoller als das Ziel.

Begegnungen mit Menschen, die unterwegs sind, haben immer eine besondere Tiefe. Weit entfernt von den Themen des Alltags gewinnen sie eine neue Sicht auf ihr Leben. Wer pilgert ist in Gottes Namen unterwegs. Menschen erleben heilsame Momente und können anderen zum Segen werden. Der Zuspruch, den einst Abraham von Gott erfahren hatte, bevor er sein zu Hause verließ und sich auf den Weg machte, gilt auch Ihnen: Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. (1. Mose 12,12)

Jedes Ankommen wird so bald wieder zu einem neuen Aufbrechen. Der segensreiche Weg wird zum Ziel.

Beatrice Rummel, Pfarrerin der Ev. – Luth. Markus – Paulus – Kirchgemeinde Plauen